Wanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo – auf den höchsten Berg Madeiras

Najo, moch ma anfoch so, wird scho guad gehn!

– das ist wohl eher das Motto meiner Schwester Helena, doch es gibt eben auch Situationen in welchen selbst ich nicht drum herum komme diesem Satz alle Ehre zu machen.

Das Ergebnis:

Ach du Schei..benkleister! Und WAS jetzt?!?

Alles über meine Wanderung auf den höchsten Berg Madeiras und was du dabei anders machen solltest erzähle ich dir gleich…


Inhalt:

  • Pico do Arieiro
  • Wanderung zum Pico Ruivo
  • Faulheit & Glück – der Rückweg
  • Nachwandern (Daten zur Tour)
  • Tipps

Madeira wandern


Wer die wunderschöne Blumeninsel im Atlantik besucht, der ist quasi sowas wie dazu „verpflichtet“ zu wandern. Wanderwege über Wanderwege – leicht, mittel, schwer – entlang der berühmten Levadas, an der Küste und eben auch im Gebirge. Der Weg vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo gehört – traue ich mich behaupten – schon eher zu den konditionell schwierigeren, aber definitiv auch zu den spannendsten und eindrucksvollsten der ganzen Insel. Also nichts wie hin!


Pico do Arieiro

Mit unserem Mietauto geht es schon ganz, ganz früh von Funchal rauf in die Berge zum Startpunkt unserer heutigen Wandertour. Wir wollen auf den höchsten Berg Madeiras – den Pico Ruivo – marschieren.

Um dort hinzukommen, nehmen wir die Straße ER103 über den „Monte“ in Richtung Ribeiro Frio. Nach ungefähr 35 Minuten kommt linker Hand ein Restaurant und gleich danach eine Kreuzung, dort biegen wir links ab, „Pico do Arieiro“ ist hier sogar angeschrieben. Und auf einmal – dichtester Nebel und zwar wirklich so, dass es ärger fast nicht mehr geht. Nach kurzem Überlegen umzudrehen, beschließen wir jedoch trotzdem im Schneckentempo weiter zu fahren bis zum höchsten Punkt. Das hat sich gelohnt, denn auf einmal brechen wir durch die Nebeldecke und ein toller Anblick bietet sich uns!

Auf einem der vielen leeren Parkplätze wird noch das Auto abgestellt und schon kann das Abenteuer beginnen! Der Ausblick vom Gipfel (1818m) ist wunderschön – es gibt einen tollen Aussichtspunkt und ein Café, also zahlt sich auch ohne Wanderung ein Besuch hier oben sicherlich aus.

Pico do Arierio MadeiraPico do Arierio MadeiraPico do Arierio Madeira


Wanderung zum Pico Ruivo

Na dann – lasset die Wanderung beginnen! Nach einem kurzem Fotostop am Aussichtspunkt startet wir los zum Pico Ruivo!

Aber zuerst legen wir gleich mal Jacke, Schal und Stirnband an, denn es ist riiiichtig frisch hier oben! Na klar, im Gegensatz zur Küste sind wir ja nun ca. 1800 Meter HÖHER! Jetzt kann’s aber endlich losgehen am PR 1 vom Pico do Arierio zum Pico Ruivo. Der Nebel steigt, fällt, steigt und fällt – wir hoffen trotzdem auf ein paar schöne Ausblicke, und falls nicht – auch egal, denn der Weg an sich ist angeblich schon spektakulär genug.

Pico do Arierio Madeira WanderungPico do Arierio Madeira

Vergehen ist hier ein Ding der Unmöglichkeit. Der Weg ist durchgehend auf einer oder beiden Seiten mit Seilen gesichert um ein Abstürzen zu verhindern, somit kann man nur auf dem richtigen Pfad bleiben. Schon zu Beginn ist mir klar – obwohl wir auf Grund des Nebels nicht all zu viel sehen – ich liebe diesen Weg! Wer allerdings nicht ganz schwindelfrei ist wird sich wahrscheinlich auf dieser Wanderung nicht ganz so wohl fühlen…

Immer geht es hinunter und wieder hinauf, hinunter, hinauf…. Und vor allem das viele Stufensteigen kann mit der Zeit schon ganz schön anstrengend werden. Da unser Ziel höher liegt als der Ausgangspunkt, müssen wir für jedes Teilstück das uns bergab führt noch mehr bergauf marschieren um den Pico Ruivo zu erreichen. Umso weniger freut man sich dann wenn es mal eeeewig laaaange hinunter geht! 😉

Pico Ruivo Wanderung Madeira20160919_101228Pico Ruivo Wanderung MadeiraPico Ruivo Wanderung Madeira

Nach einiger Zeit teilt sich der Weg in zwei Varianten – beide führen zum Pico Ruivo. Der westliche (Oeste) – bei der Gabelung links – führt durch viele kleine abenteuerliche Tunnel, der östliche (Este) ist etwas länger und führt auf der anderen Seite des Pico das Torres vorbei.

Achtung! Erkundige dich im Voraus über Sperren & Umleitungen.

Für die Ostroute benötigt man angeblich ein kleines bisschen mehr Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ob das stimmt können wir leider für uns nicht herausfinden, da dieser Weg zur Zeit vorübergehend gesperrt ist (und wahrscheinlich auch nicht so bald wieder offen sein wird) – wegen eines Erdrutsches – sehr schade!

Geplant war nämlich die östliche Variante am Hinweg zu gehen und die westliche am Rückweg. Naja egal, dann eben gleich links nach unten abbiegen. Auch hier müssen wir einen „Umweg“ gehen, da auch für diese Route eine Umleitung notwendig ist. Wir müssen ziemlich weit absteigen und dann alles wieder nach oben marschieren. Diese Umleitung macht den Weg somit um einiges länger als normal. Aber der Weg ist richtig lässig, immer wieder führt er hindurch durch kleine und größere Tunnel. Wir sind wirklich froh, dass wir immer Stirnlampen in unserem Rucksack dabei haben, denn in den längeren Tunneln ist es nämlich stockfinster!

Pico Ruivo Wanderung MadeiraPico Ruivo Wanderung MadeiraPico Ruivo Wanderung MadeiraPico Ruivo Wanderung Madeira

Puhh….ganz schön kräftezerrend die vielen Stufen! Aber die schöne Aussicht entschädigt für so Einiges. Nach einer Zeit treffen die beiden Wege nun wieder aufeinander und es geht immer den Berg entlang, vorbei an richtig coolen Bäumen, die mich irgendwie an Herr der Ringe erinnern – wieso weiß ich nicht so richtig. 🙂

Bald kommen wir zu einem kleinen Häuschen. Direkt dort gibt es eine Wegkreuzung. Links hinauf geht es nun endlich zum Gipfel und rechts hinunter zum Parkplatz auf der Achada do Teixeira und nach Encumeada. Natürlich wählen wir hier den Weg nach oben!

Pico Ruivo von Pico do Arierio20160919_112232Pico Ruivo von Pico do Arierio

Rauf geht’s! Das letzte Stück, muss ich ehrlich gestehen zieht sich schon noch ziemlich und ist auch noch ganz schön anstrengend. Aber ist man erst mal oben, vergisst man die Mühen sofort wieder. Während mein Freund sein rituelles Gipfel-Power-Napping macht, schlendere ich zu den verschiedensten Aussichtspunkten, beobachte den Nebel beim steigen und sinken und an den Berggipfeln vorbei ziehen. Bis auf einmal – ganz kurz – er den Blick auf das Meer freigibt. Es ist wunderschön – ich bin so fasziniert, dass ich schlichtweg auf’s Fotografieren vergesse, erst als der Nebel die Aussicht fast wieder verdeckt greife ich zu meiner Kamera.

Die Stimmung hier oben gefällt mir. Es ist wirklich faszinierend wenn man von 1862m auf das Meer blicken kann!

Pico Ruivo Madeira20160919_12090520160919_121352Pico Ruivo Madeira - Blick aufs MeerPico Ruivo Madeira - Gipfelsieg


Rückweg auf Umwegen

Naja ein bisschen enttäuscht sind wir immer noch, dass die östliche Variante nicht begehbar ist, außerdem wollen wir irgendwie nicht den selben Weg zweimal gehen und der Hinweg war noch dazu irgendwie länger als wir geplant/gedacht hatten. Wir haben heute ja auch noch etwas anderes vor… Hmmm, deshalb entschließen wir uns ganz spontan dazu einfach auf dem kurzen Weg zum Parkplatz nach Achada do Teixeira abzusteigen und dort einen „Bus“ zu nehmen. Was im Nachhinein irgendwie eine schlechte Idee war denn dort gibt es NICHTS und schon gar keinen „Bus“… 😉


Wir biegen also bei der Kreuzung bei der kleinen Hütte nicht auf unseren „normalen“ Rückweg ab, sondern folgen dem Weg geradeaus nach unten. Schnellen Schrittes geht’s dahin – immer bergab – und auch schon früher als erwartet sehen wir den Parkplatz. Uiiii…uns wird klar, hier gibt es wirklich gar NICHTS. Nicht mal das kleine Häuschen ist bewirtschaftet oder bewohnt. Kein Bus, kein Mensch und die nächste Zivilisation laut Karte bestimmt eeeeewigst enfernt. Und Ohh, wir sind außerdem auf der anderen Seite der Insel gelandet. 😀

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Erkennst du den „normalen Rückweg“?

Parkplatz Achada do Teixeira

Erstmal müssen wir lachen, dann beschließen wir auf jemanden zu warten der zurück zu seinem Auto kommt – den werden wir dann fragen ob er uns ein Sückchen mitnimmt. Und auch schon bald treffen wir ein ganz liebes portugiesisches Pärchen in unserem Alter die sogar auf die andere Seite der Insel müssen. Uns zu liebe machen sie den Umweg und fahren statt auf der schnellen Straße um die Insel herum, über die Bergstraßen und lassen uns nach Ribeiro Frio bei der Kreuzung hinaus. Die Fahrt hier her dauert 1 STUNDE – das wäre mit dem Taxi bestimmt riiichtig teuer geworden! Was für ein Glück auf so liebe Leute zu treffen! 🙂 

Dort ausgestiegen bedanken wir uns ungefähr 1000 Mal, verabschieden uns und beschließen dann in dem Restaurant noch was zu essen, Abenteuer machen hungrig! Während dem Essen überlegen wir uns dann wie wir die restlichen 7 km zurück hinauf zu unserem Auto kommen werden. Wir bestellen im „Restaurante Casa De Abrigo Do Poiso“ mein absolutes Lieblingsessen hier auf Madeira – Espetada! (Rindfleisch, medium – versteht sich – lecker!)

beste Espetada Madeira

Es waren die besten Espetadas die wir in diesem Urlaub gegessen haben – manchmal zahlen sich Umwege dann doch wieder aus. Wir fragen den Kellner nach einem Taxi um hinauf zum Pico do Arierio zu kommen. Die Taxifahrt an sich wäre gar nicht teuer, aber wir müssten natürlich auch die komplette Anfahrt hier her in die „Pampa“ bezahlen und er meint, das würde uns sehr teuer kommen.

Wir beschließen einstimmig zu Fuß hinauf zu gehen! Wir folgen der Straße mit dem Gedanken: „Jedes Auto das da rauf fährt fährt ganz bestimmt zum Gipfel, also werden wir nun erstmalig in unserem Leben autostoppen.“ Nach ungefähr 5 Minuten kommt auch schon das erste Auto und ja – es bleibt stehen. Wieder ein junges einheimisches Pärchen. Sie sind gerade auf dem Weg zum Gipfel um dort einen Kaffee zu trinken. Super – auf den sind sie natürlich eingeladen. 😉


Nachwandern

Ich empfehle auf keinen Fall so unüberlegt wie wir einfach „falsch“ abzusteigen. Außer du möchtest auch gerne autostoppen. Oder Geld spielt bei dir keine Rolle und du rufst ein Taxi aus Santana und fährst damit 1,5 Stunden über die Insel zurück zum Pico Arierio. 😉

Im besten Fall solltest du dich für eine Auf- und Abstiegsvariante entscheiden – und zwar fix – das spart Nerven, Zeit und eventuell auch Geld.


Route lang

Soll es die lange und anspruchsvolle, aber auch eindrucksvollere sein, dann starte beim Pico Arierio und beende sie auch wieder dort. Eine Karte für diese Tour findest du hier auf Outdooractive. (Hinweg über die Ostroute, Rückweg über die Westroute)


Route kurz

Oder willst du lieber eine kleinere und leichter Tour machen, dann startest du gleich auf dem Parkplatz der Achada do Teixeira (Anreise mit dem Auto über Santana). Eine Karte und alle Infos dazu findest du hier auf Outdooractive.


Tipps

Tipp: Genügend Jause und Getränke in den Rucksack packen. Es gibt keine Möglichkeit am Weg einzukehren.

Tipp: Es kann ganz schön kalt dort oben sein, im Gegensatz zur Küste. Unbedingt Stirnband, Jacke und Co einpacken!

Tipp: STIRNLAMPE oder wenigstens Taschenlampe mitnehmen – in manchen der Tunnel ist es wirklich stockfinster!

Tipp: Erkundige dich im Voraus ob der Weg/ die Wege eventuell gesperrt/umgeleitet sind – Bergrutsche sind hier häufiger!! Angeblich soll die Ostroute noch für sehr lange gesperrt sein – bitte wirklich erkundigen.

Tipp: Nimm dir für die gesamte Wanderung (wenn Startpunkt Pico do Arieiro) einen ganzen Tag Zeit und plane sonst nichts mehr ein – außer vielleicht relaxen am Abend oder ein gutes Abendessen.

Tipp: Den Pico do Arieiro und die tolle Aussicht von dort sollte man sich definitiv nicht entgehen lassen. Auch wenn man keine Wanderung machen will – lohnt es sich hier hinauf zu fahren und zu genießen.

Tipp: Sehr früh rauf fahren zum Pico do Arierio – bestimmt auch ein unglaublich schöner Sonnenaufgang. (Wir haben ihn leider knapp verpasst) Außerdem sind in der Früh viiiiel weniger Touristen hier.

Pico Ruivo Wanderung Madeira



Hast du auch schon mal irgendwann Auto gestoppt? Was ist deine Lieblingswanderung auf Madeira? Ich freu mich schon auf dein Kommentar! Du kannst mir aber auch jederzeit gerne ein Mail schreiben: Kontakt

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Viel Spaß ❤

Eva

Eva, 24 - ACHTUNG gefährlich - 1.DAN im Judo! Hallo, ich bin die ältere - aber trotzdem kleinere - Schwester vom Freizeit- & Reiseblog Days Weekends & More. Außerdem bin ich wohl die "Planerin" von uns zwei Mädels, ich könnte stundenlang einfach nur Routen festlegen, Wanderungen heraussuchen und To-Do Listen erstellen - deshalb studiere ich wohl Logistik. :) Ich liebe es einfach draußen zu sein und die Vielfalt der Natur zu entdecken, es gibt wohl kaum einen Nationalpark auf dieser Welt den ich nicht unglaublich gerne mal besuchen würde. PS: Leckeres Essen ist mir auch ziiiiemlich wichtig. ;)

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